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Dem Design des einundzwanzigsten Jahrhunderts ist der Gegenstand weit gehend entschwunden. Da der Gestalter als kreativer Beruf per se nur seine Berechtigung hat, wenn er Neues erschafft, im Prinzip aberzumindest in den Grundzügen auf der Ebene der materialen Gestaltung alles schon einmal da gewesen ist, stellt sich seine Existenzberechtigung in radikaler Form, es sei denn man gesteht im die Rolle des Plagiators zu. Dann würde allerdings die Profession des Designers im gleichen Sinne reduziert werden, wie im Verhältnis von bildender Kunst zu Kunsthandwerk - letzteres braucht natürlich nicht an einer Universitätgelehrt zu werden.

Im Folgenden ein Versuch, worin denn eine sinnhafte Standortbestimmung des professionellen Designersnoch liegen kann:

Die Beziehung einer Profession zu ihrem Gegenstand muss als funktionales Verhältnis beschrieben werden.Die Aufgabe des Designers besteht in einer Transformation eines Problems in eine Lösung, wo bei als weiteres Kriterium für die Professionalität die spezifische Beziehung zum Klienten zu nennen ist.

Im zwanzigsten Jahrhundert - in der so genannten Moderne - wurde diese Beziehung im Sinne der klassischen Logik monokausal begriffen. Man hatte einen Ausgangspunkt von dem man sich zu einem Zielvorzupirschen hatte. Die zugrunde liegende primäre Logik unterlag dabei natürlich einem Wandel - man ist fast geneigt zu sagen: verschiedenen Moden. Der Maxime form follows function folgte ein ästhetisierenderDesignbegriff, in dem die Funktion dem Symbolischem untergeordnet ist. Im Wandel des gesellschaftlichen Demokratieverständnisses wurde von einer marktorientierten auf eine Nutzer bezogene Produktentwicklung(partizipatorisches Entwerfen) gewechselt und umgekehrt. Unter dem Begriff "Nachhaltigkeit" wurde gar versucht die Ökologie, bzw. was man darunter versteht zum Zielkriterium des Entwerfens zu machen. Alldiese Bewegungen (auch in ihren internationalen Formen und Ausprägungen) zu beschreiben und zu systematisieren ist Aufgabe der Designgeschichte. Das, was an dieser Stelle interessiert, ist die Beobachtung,dass all diese Initiativen ein eindimensionales Designverständnis aufzeigen, wobei jedoch der Topos im jeweiligen Zweck-Mittel-Verhältnis sich wandelt. Diese Monokausalität - im Zeitalter der Moderne nochvon Plausibilität - verliert unter den komplexen Beobachtungsverhältnissen des Zeitalters des 21ten Jahrhunderts an Überzeugungskraft. Hier müssen wir - um mit Niklas Luhmann zu sprechen - uns auf polykontexturale Beschreibungsverhältnisse einstellen. Die Wirklichkeit ist hier nur noch in Form von Paradoxien zu verstehen: der Mensch kommt vor und kommt zugleich nicht vor; wahr und falsch könnenzugleich bestehen. Die Ökonomie zeigt sich zugleich als die Gestaltungs - wie Zerstörungsmacht, wobei letzteres nicht mehr - entsprechend alter 68 Manier - in moralischen Kategorien verstanden darf, sondern alsein Teilssystem einer moderner Gesellschaft, dass weder in den Kategorien von gut und böse beschreibbar ist, noch das erklärt, was in der Gesellschaft vor sich geht.

Unter diesen Bedingungen stellt sich Für den Designer die Aufgabe sein Handeln polykontextural zu orientieren und zu reflektieren. Seine Aufgabe wird vorrangig darin bestehen, Komplexität zu verstehen undin Form von Produktlösungen handhabbar zu machen. Der Designer der Zukunft - gestaltet keine Dinge mehr, sondern Relationen die Dinge gestalten. Von den unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexturen aufdie Gestaltungsarbeit runter gebrochen heißt dies:

  • Die Relation von Materialeinsatz und Dienstleistung muss reflektiert werden (material input perservice unit [mips]).
  • Die Eleganz der Lösung ist unter dem Blickwinkel der Einfachheit zu bewerten (no imput perservivec unit [nips]).
  • Die psychosoziale Bedeutsamkeit des Produkts ist zu beachten (symbolic imput per service unit[sips])
  • Die Entwicklung sollte zu einem Erkenntnisgewinn führen. Das Produkt sollte Intelligenz und Wissenerweitern (knowledge rising per scenario-devolopment [krips]).


Innerhalb dieser vier Relationen werden die Kontexturen Sozialsystem und Psyche; Ökologie und Ökonomie;Arbeit und Wissen sowie die zentrale Relation von Komplexität und Komplexitätsreduktion als unabdingbare funktionale Bestandteile des professionellen Designs verstanden.